Gebet zum Tag der Schöpfung

Am 1. September begehen die Kirchen den Tag der Schöpfung. Deshalb möchte ich heute das Wessobrunner Gebet in Erinnerung rufen, das wohl um 800 entstanden ist und bis heute nichts von seiner Kraft verloren hat:

Das Wessobrunner Gebet
Das erfuhr ich unter den Menschen als der Wunder größtes,
dass Erde nicht war, noch oben der Himmel,
nicht Baum […], noch Berg nicht war,
noch […] irgend etwas,
noch die Sonne nicht schien,
noch der Mond nicht leuchtete,
noch das herrliche Meer.
Als da nicht war an Enden und Wenden,
da war der eine allmächtige Gott, der Wesen gnädigstes,
und da waren mit ihm auch viele herrliche Geister.
Und Gott der heilige […]
Gott allmächtiger, der du Himmel und Erde wirktest
und der du den Menschen so mannigfach
Gutes gegeben,
gib mir in deiner Gnade
rechten Glauben
und guten Willen,
Weisheit und Klugheit und Kraft,
den Teufeln zu widerstehen,
und das Böse zurückzuweisen
und deinen Willen zu tun.

Diese Fassung ist dem Materialheft zum Tag der Schöpfung entnommen.

Montagsimpuls – Tag der Schöpfung

Als ich über den Tag der Schöpfung* am 1. September nachdachte, hatte ich viele Bilder besonderer Landschaften, Pflanzen, Tiere, Wolken- und Lichtspiele, Seen und Meere vor Augen. Doch ein Bild trat immer davor: ein Kaktus in meinem Garten. Vor Monaten hatte ich einen Teil eines Kaktus‘, der am Wohnzimmerfenster gestanden hatte und umgestürzt war, auf einen Blumentopf auf der Terrasse gelegt. Es war ein Mittelstück, hatte also an beiden Enden offene Flächen, die trocken wurden. Ich wusste nicht, was ich damit tun sollte und dachte, dass einfach das ganze Stück eintrocknen würde. So blieb es unbeachtet dort einige Monate. Herbst und Winter gingen vorüber, und das Kaktusstück lag noch immer dort, ein wenig schmaler zwar, aber nicht trocken und immer noch grün. Im Frühsommer sah ich plötzlich, dass sich an einer Stelle eine Verdickung bildete: ein neuer Kaktus wuchs dort, kugelrund und sattgrün!
Wie wunderbar und kraftvoll ist doch Gottes Schöpfung: ein für nutzlos gehaltenes Stück trotzt Regen und Frost und bringt neues Leben hervor, das Wurzeln schlagen kann. Dieses Kaktusstück ist für mich zu einem Bild für das Leben geworden, einem Leben, das – egal ob Pflanze, Tier oder Mensch – Respekt und Beachtung verdient, weil es da ist und mich immer wieder etwas Neues lehrt.
Übrigens: An den heißen Tagen des Sommers habe ich dafür gesorgt, dass der junge Kaktus, solange keine Wurzeln da waren, immer einen feinen Wassernebel erhielt. Sobald Wurzeln gewachsen sind, wird er seinen eigenen Topf erhalten, und das Kaktusstück wird weiter seinen nun von mir behüteten Lebensraum auf dem Blumentopf behalten.

*Der von dem Ökumenischen Patriarchen Dimitrios 1989 eingeführte Tag der Schöpfung wird mittlerweile nicht nur von der orthodoxen Kirche begangen, sondern auch von anderen christlichen Kirchen. Weitere Informationen dazu auf der Website der Arbeitsgemeinschaft der christlichen Kirchen (ACK).

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