Montagsimpuls – Evanglienkreuz III

Bevor das Evangelium verlesen wird, zeichnen katholische Christ*innen mit dem Daumen je ein kleines Kreuz auf die Stirn, auf den Mund und über dem Herzen. Sie werden kleines Kreuzzeichen oder Evangelienkreuz genannt. Dabei wird ein kurzes Gebet gesprochen, mit dem die Christ*innen darum bitten, dass sie das Evangelium verstehen werden (Stirn), dass sie es verkünden können (Mund) und dass sie es im Herzen bewahren werden (Herz). Der Oktober ist der Monat der Mission und der Anlass in den folgenden Wochen über diese Evangelienkreuze nachzudenken.

Evangelienkreuz – Das Kreuz über dem Herzen
„Im Herzen bewahren“ – Als Kind bedeutete das für mich vor allem, dass ich die Geschichten aus der Bibel nicht vergaß. Sie zu behalten fiel mir wiederum nicht schwer, habe ich doch oft in einer Bilderbibel geblättert, so dass ich die geschriebene Geschichte immer auch mit eindrücklichen Bildern verbinden konnte. Dazu kommt, dass auch in unserer Alltagssprache mancher Satz aus der Bibel eine bekannte Redewendungen ist. „Im Herzen bewahren“ ist also eine leichte Übung. Ist es das?
Ich denke, nein. Denn „
im Herzen bewahren“ ist mehr als sich an die Geschichte erinnern, sie zur rechten Zeit erzählen oder auszugsweise zitieren zu können. Worte, die im Herzen bewahrt werden können, müssen dort auch verstanden worden sein. Hier werden sie vielmehr gefühlt als verstanden. Dann, so ist es meine Erfahrung, erzeugen sie in mir einen ganz bestimmten Klang, schwingen mal laut und mal leise, aber immer eindringlich. Sie sind zu spüren, wandeln sich manchmal wieder zurück in die Worte, die auch der Verstand versteht. Wenn das geschieht, ist handeln nach der Frohen Botschaft möglich – oft ohne jedes zusätzlich gesprochene Wort.

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