Samstagsmorgens

Die Frühmesse am Samstagmorgen bei den Franziskaner in Düsseldorf ist mir lieb geworden. Auf dem Weg dorthin versuche ich meist, ruhig zu werden und die Aufgaben der vergangenen Woche hinter mir zu lassen und nicht an die zu denken, die auf mich warten. So achte ich darauf, was am und auf dem Weg ist. Da ist zum Beispiel der Schmuckladen, dessen gesamte Auslage immer aus dem Schaufenster genommen wird, so dass nur noch die zahlreichen Halterungen zu sehen sind. Ich denke oft: „Was für eine Fleißarbeit.“ Dann sind da die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Supermärkte und Bäckereien, die alles für die ersten Kunden vorbereiten, die ab 7.00 Uhr kommen. In einem Geschäftseingang schläft ein Obdachloser, der immer ganz in schwarz gekleidet ist und der auch seine ganze Habe in schwarzen Säcken mit sich führt. Den „Bücherwurm“, ebenfalls ein Obdachloser, habe ich schon länger nicht mehr gesehen. Er war Liebhaber von Science Fiction- und Fantasy-Romanen und vertrieb sich mit Lesen die Zeit. Neben Euro nahm er auch gern mal ein Buch an. Ich hoffe, es geht ihm gut. Dann ist da der Laden mit besonderen Laufschuhen, wo manchmal Kunden schon um diese Zeit anstehen, wenn besondere Exemplare geliefert werden. Ich kenne mich damit überhaupt nicht aus, und war daher schon sehr überrascht als eines morgens sogar eine große Traube Menschen dort versammelt war, die offenbar vor dem Laden die Nacht verbracht hatte. Was der Mensch nicht alles tut, wenn es ihm wichtig ist. Einige indische Schwestern, die ebenfalls auf dem Weg zur Frühmesse sind, stimmen mich aber immer ganz besonders auf die Messe ein. Ich überhole sie meist, da ich schneller gehe als sie, und während ich das tue höre ich sie leise beten. Bin ich mal zu früh oder zu spät dran, so dass ich sie nicht auf der Straße antreffe, fehlt mir was.

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