Zu Allerseelen

Als ich gestern Abend an den heutigen Allerseelen-Tag dachte, fiel mir mein Besuch des Vysehrad Friedhofs in Prag vor 15 Jahren ein. So habe ich eines der Fotos wieder hervorgeholt, das ich dort gemacht habe.

My beautiful picture

Immer wenn ich es sehe, muss ich daran denken, wie ich damals neugierig und skeptisch zugleich dorthin gegangen bin. In einem Reiseführer hatte ich nicht nur von den Gräbern verschiedener Persönlichkeiten gelesen, sondern dort wurde auch die Atmosphäre des Friedhofs als „heiter-gelassen“ beschrieben. Das vorzufinden, kam mir trotz wunderbaren Sommerwetters ziemlich unwahrscheinlich vor. Aber genau so war es. Lange habe ich nach anderen Worten gesucht und versucht zu beschreiben, wie es ist, über diesen Friedhof zu gehen und die teilweise künstlerisch beeindruckenden Grabmäler zu betrachten. Letztlich gab ich mich damit zufrieden, den Reiseführer zu zitieren: heiter-gelassen.

Wer nicht bis Dezember warten will …

In der Stadt Gottes-Ausgabe vom November 2016 wird auf einen Artikel über Bruder Roland Scheid SVD hingewiesen, der in der Dezember-Ausgabe erscheinen wird. Wer nicht so lange auf einen Artikel über ihn warten will, findet auf „Glaube aktuell“ bereits den  Bericht „Malen für die Mission“.

Eine Kokosnuss im weiten Meer

kokusnussSo hat der Steyler Missionar Devis Don Wadin sein Buch betitelt. Es sind teilweise sehr persönliche Gedanken, die er als Indonesier und Priester den Leserinnen und Lesern über sein Leben in Deutschland mitteilt. Nach der Lektüre habe ich mir vorgenommen, das Buch immer mal wieder zur Hand zu nehmen. Es lohnt sich.
Ich hoffe, dass ich Pater Devis irgendwann einmal treffe.

Für alle die nun neugierig geworden sind und in ihre Buchhandlung gehen möchten, hier die ISBN: 978-3-8050-0628-6.

Samstagsmorgens

Die Frühmesse am Samstagmorgen bei den Franziskaner in Düsseldorf ist mir lieb geworden. Auf dem Weg dorthin versuche ich meist, ruhig zu werden und die Aufgaben der vergangenen Woche hinter mir zu lassen und nicht an die zu denken, die auf mich warten. So achte ich darauf, was am und auf dem Weg ist. Da ist zum Beispiel der Schmuckladen, dessen gesamte Auslage immer aus dem Schaufenster genommen wird, so dass nur noch die zahlreichen Halterungen zu sehen sind. Ich denke oft: „Was für eine Fleißarbeit.“ Dann sind da die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Supermärkte und Bäckereien, die alles für die ersten Kunden vorbereiten, die ab 7.00 Uhr kommen. In einem Geschäftseingang schläft ein Obdachloser, der immer ganz in schwarz gekleidet ist und der auch seine ganze Habe in schwarzen Säcken mit sich führt. Den „Bücherwurm“, ebenfalls ein Obdachloser, habe ich schon länger nicht mehr gesehen. Er war Liebhaber von Science Fiction- und Fantasy-Romanen und vertrieb sich mit Lesen die Zeit. Neben Euro nahm er auch gern mal ein Buch an. Ich hoffe, es geht ihm gut. Dann ist da der Laden mit besonderen Laufschuhen, wo manchmal Kunden schon um diese Zeit anstehen, wenn besondere Exemplare geliefert werden. Ich kenne mich damit überhaupt nicht aus, und war daher schon sehr überrascht als eines morgens sogar eine große Traube Menschen dort versammelt war, die offenbar vor dem Laden die Nacht verbracht hatte. Was der Mensch nicht alles tut, wenn es ihm wichtig ist. Einige indische Schwestern, die ebenfalls auf dem Weg zur Frühmesse sind, stimmen mich aber immer ganz besonders auf die Messe ein. Ich überhole sie meist, da ich schneller gehe als sie, und während ich das tue höre ich sie leise beten. Bin ich mal zu früh oder zu spät dran, so dass ich sie nicht auf der Straße antreffe, fehlt mir was.

Der barmherzige Samariter

Im August war in der Festwoche des Hl. Rochus unsere alte Pfarrkirche jeden Tag einige Stunden geöffnet. Anlass war eine Ausstellung zu Gründung Pfarrei vor 125 Jahren. Meine Schwester und ich haben als spirituellen Impuls jeden Tag unter eine Seligpreisung gestellt. Am Festtag des Hl Rochus, 16. August, haben wir uns passend zum Leben des Heiligen für „Selig, sind die Barmherzigen“ entschieden. Da heute das Evangelium vom barmherzigen Samariter gelesen wird, hier unsere Gedanken dazu, die wir für die Impulsandacht im August niedergeschrieben hatten.

Auf die Frage: „Wer möchtest Du sein: der Priester, der Levit oder der Samariter?“ fällt uns die Antwort sicher leicht: der Samariter. Das Richtige tun, der Gute sein – das möchten wir gern. Auf die Frage „Wem bist Du ähnlich: dem Priester, dem Levit oder dem Samariter?“ fällt die Antwort schon anders aus. Die ehrlichste Antwort ist wohl: Ich bin alle drei. Warum wir wie der Samariter handeln, also uns selbstlos eines anderen Menschen annehmen, der Hilfe benötigt, ist leicht zu erklären. Das gebietet der christliche Glaube oder für die, die nicht gläubig sind, ist es eine Frage der Menschlichkeit. Aber die Frage, warum wir manchmal auch wie der Priester und der Levit handeln, ist schwieriger zu beantworten. Schnell liegen zwar ein paar Sätze parat: Ich habe keine Zeit. – Ich habe eine andere Verpflichtung. – Andere können besser helfen, weil sie dafür ausgebildet sind. – und so weiter. Aber was wäre eine ehrliche Antwort? Vielleicht: Ich habe Angst. – Ich fühle mich überfordert. – Ich kann den Anblick nicht ertragen. – Ich ekle mich.
Der junge Mann aus Montpellier in Frankreich mit Namen Rochus traf auf seiner Pilgerreise nach Rom auf Pestkranke. Er nahm sich ihrer an und setzte sich damit der Gefahr der Erkrankung aus. Als er auf seiner Rückreise schließlich selbst an der Pest litt, war kein Mensch da, der ihn pflegte, doch die Legende berichtet, dass ein Hund sich um ihn gekümmert und ihm Brot gebracht habe.

 

In Agios Andreas

Heute Abend war ich in der griechisch-othodoxen Gemeinde Düsseldorfs, Apostolos Andreas, zu einem festlichen Gottesdienst. Anlass war, dass eine Reliquie des Namenspatrons, des Heiligen Andreas, in die Kirche gebracht wurde. Als katholische Christin fehlte mir allerdings das Stehvermögen, den ganzen Gottesdienst zu bleiben. Ich habe nach einem Drittel der Zeit abgebrochen, also nur zwei von sechs Stunden an dem Gottesdienst teilgenommen.

Was mir in der Zeit auffiel aber war folgendes: Aufgrund des besonderen Anlasses war auch Bischof Bartholomaios Kessidis gekommen und hatte auf dem für Bischöfe vorgesehenen Stuhl in der Kirche Platz genommen. Damit sitzt er bei den Gläubigen, wenn auch an exponierter Stelle. Obwohl die Liturgie in vollem Gang war, kamen aber immer wieder Menschen aus der Gemeinde, gingen zum Bischof und küssten ihm die Hand. Bei uns wäre dies während der Liturgie undenkbar, abgesehen davon, dass wir dafür den Altarraum betreten müssten. Andere Frömmigkeit und vermutlich auch anderes Amtsverständnis. Es gilt noch viel von einander zu lernen.

Ein Lied zu ungewohnter Zeit

Heute saß ich im Zug auf der Heimfahrt von einer Tagung als eine Gruppe Jugendlicher einstieg und mangels gemeinsamem Platz die Treppe des Regionalexpress‘ belagerte. Sie waren ein bisschen laut, aber kein Grund zur Klage. Nach einer Weile begannen sie zu singen. Es waren verschiedene Lieder aus den Charts, von denen sie aber jeweils nur Teile des Refrains konnten. Der Rest wurde durch Summen ergänzt. Von einem Lied aber konnten sie die komplette erste Strophe, und alle in Hörweite schmunzelten: Es war „Alle Jahre wieder“.

Korinth

img_5292Heute haben wir die Ausgrabungsstätte von Korinth besucht. Da der Apostel Paulus dort vor Gericht gestanden hat, gibt es in den Souvenirgeschäften nicht nur die üblichen Nachbildungen antiker Statuen und Vasen, sondern auch Ikonen. So war ich schon vor betreten der Ausgrabungsstätte auf Christliches vorbereitet. Neu war für mich dennoch, dass am Festtag des Apostels Paulus alljährlich an der Gerichtsstätte Gottesdienst gefeiert wird, wie ich auf der Informationstafel an den Mauerresten lesen konnte.

img_5296Zu meine großen Überraschung aber feierten just in der Zeit, in der wir uns dort umsahen, in Sichtweite zwei christliche Gruppen Gottesdienst. Während also unzählige Gruppen und Einzelreisende sich das antike Korinth ansahen, feierten sie nahe beieinander im Schatten eines großen Baumes ihre Gottesdienste: Alle hielten respektvoll Abstand, und die beiden Gemeinden beteten und sangen in gemäßigter Lautstärke, um ihrerseits die anderen nicht zu stören. Das hätte ich wirklich in einer Ausgrabungsstätte, einem Museum, nicht erwartet, und ich bin dankbar, dass ich es erleben durfte.