Montagsimpuls – Evangelienkreuz II

Bevor das Evangelium verlesen wird, zeichnen katholische Christ*innen mit dem Daumen je ein kleines Kreuz auf die Stirn, auf den Mund und über dem Herzen. Sie werden kleines Kreuzzeichen oder Evangelienkreuz genannt. Dabei wird ein kurzes Gebet gesprochen, mit dem die Christ*innen darum bitten, dass sie das Evangelium verstehen werden (Stirn), dass sie es verkünden können (Mund) und dass sie es im Herzen bewahren werden (Herz). Der Oktober ist der Monat der Mission und der Anlass in den folgenden Wochen über diese Evangelienkreuze nachzudenken.

Evangelienkreuz – Das Kreuz auf dem Mund
Das Evangelium verkünden, die Frohe Botschaft in die Welt hinaustragen – So eindeutig der Auftrag Jesu ist, so schwer ist er zu erfüllen. Als Teenager hatte ich bei diesem Thema immer die Bilder von Hyde Park Corner in London vor Augen: in der Öffentlichkeit auf einer Kiste stehend laut etwas sagen, ganz gleich ob irgendjemand es überhaupt hören will oder nicht. Das Bild war sicher beeinflusst von dem Bericht über den Auftritt des Heiligen Paulus auf dem Aeropag mitten in Athen. Ich jedenfalls entschied: Das ist nichts für mich! Damit war dann das Thema Verkündigung für mich lange keines mehr, über das ich nachdachte. Mit der Zeit wurde mir klar, dass Verkündigung auf verschiedene Art und Weise erfolgen kann. Das rechte Wort in einem Gespräch finden oder in einer bestimmten Situation deutlich Position als Christin beziehen – all das kann Verkündigung sein. Daher ist mit dem Gebet zum Evangelienkreuz auch die Bitte verbunden, immer offen für den Geist Gottes zu sein, der mich das rechte Wort zur rechten Zeit finden lässt.

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