Adventbrief an D.

Liebe D.,
vor einigen Tagen habe ich versprochen, Dir im Advent Briefe zu schreiben und Dich so an meinen Gedanken zu der Vorbereitungszeit auf Weihnachten teilhaben zu lassen. Du wirst Dich sicherlich wundern, dass Du heute schon einen Brief bekommst, denn der 11. November ist in unserer Heimatstadt eng mit dem Karneval verbunden und an dem Tag denken wir nicht an Advent und Weihnachten, sondern an Hoppeditz* und Helau.
Aber der 11. November ist der Festtag des Heiligen Martin, der bei uns traditionell am Abend vorher (Martinsabend) mit Gänseessen, Laternenumzügen und Gribschen** begangen wird. In meiner Familie wird noch immer die rheinische Tradition gepflegt, „Küchelchen“ zu essen. Das sind kleine Hefekuchen, die in heißem Fett in der Pfanne ausgebacken und mit Puderzucker bestreut werden. Sie gibt es nur am Martinsabend. Daran wird nicht gerüttelt!
In früherer Zeit bekamen am Martinstag Mägde und Knechte ihren Lohn und konnten die Arbeitsstelle wechseln. Es wurde ausgiebig gegessen und getrunken und dann begann die Fastenzeit. Fasten vor Weihnachten ist in der Westkirche nicht mehr üblich; die orthodoxen Kirchen pflegen es jedoch noch. Die Fastenzeit beginnt allerdings nicht am 12. sondern am 14. November, dem Festtag des Apostels Philippus. Daher heißt es auch Philippusfasten.***
Auch wenn ich nicht faste, fängt für mich der Advent irgendwie mit St. Martin an. Das war schon als Kind so. So musste ich den ersten Adventbrief also heute schon schreiben.
Deine M.

*Hoppeditz: Narrenfigur des Düsseldorfer Karnevals, die traditionell am 11. November mit einer Rede die Karnevalszeit (Session) eröffnet.
**Martinssingen der Kinder verbunden mit der Bitte um Obst, Nüsse und Süsses.
***Der Gedenktag wird von der Westkirche am 3. Mai begangen, in der Ostkirche am 14. November.
Foto: Pexels


 

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